Für alle, die ihn kennen, ist der Mainfränkische Trockenrasen etwas ganz Besonderes:
Dort ist es wunderbar warm, es duftet herrlich, die Grillen zirpen und eine Fülle von Blumen blühen, die nur bei diesen speziellen Naturbedingungen zu finden sind. Man kann unzählige Heilkräuter unter den Trockenrasenarten entdecken, was sich Heilkundige über Jahrhunderte zu eigen machten und auch heute noch zu schätzen wissen.
Gerade dieser Aspekt hat erheblich unser Interesse geweckt und so entstand das Projekt „Heilpflanzen und der Mainfränkische Trockenrasen“:

Trockenrasen blütenreich

 

Über die nächsten Wochen stellen wir Ihnen regelmäßig eine gerade blühende Art vor. Frau Sabine Haubner – Journalistin und schon immer fasziniert von Heilkräutern – recherchierte ausgiebig und verfasste zu der jeweiligen Art ein ausführliches Portrait. Frau Almut Kellermann – ebenso interessiert an Wildkräutern und den heilenden Köstlichkeiten, die man aus ihnen zaubern kann – setzte unser Vorhaben als Designerin in den passenden Rahmen.
Gestatten Sie mir noch einen wichtigen Gedanken zum Thema Kräutersammeln:
Zahlreiche Kräuter sind geschützt – entweder die Blüte, die Wurzel oder die gesamte Pflanze. Man sollte sich vorher gut informieren, sei es in Literatur oder bei Heilkräuterkundigen. Auch in Naturschutzgebieten ist das Sammeln nicht erlaubt.
Wenn Sie Kräuter lesen, dann bitte immer in kleinen Mengen, die sie schnell verbrauchen können. (Kurzfristig kann man ja durchaus auf Kräuter aus der Apotheke zurückgreifen.)
Unser Vorschlag wäre, sich im eigenen Garten oder auf sogar auf öffentlichen Gemeindegrundstücken, an einem sonnigen Plätzchen selbst einen kleinen Trockenrasen anzulegen. Hier können Sie dann nach Belieben Ihre Heilkräuter pflanzen und nutzen.
Seit dem die Beweidung – gerade bei uns in Unterfranken – größtenteils aufgegeben wurde und unsere Landschaft im Allgemeinen zu intensiv genutzt wird, hat die Natur massiv an Artenfülle verloren. Bei entsprechender Gestaltung und Bewirtschaftung unserer Gärten und öffentlichen Flächen können wir dem entgegenwirken.
Wenn bei Ihnen in der Umgebung Trockenrasen noch beweidet werden, freuen Sie sich darüber und unterstützen Sie die Arbeit z.B. eines Schäfers …

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen und eventuell die ein oder andere Anregung!

Ihre Christiane Brandt, Gebietsbetreuerin Muschelkalk

 

KuhschelleDas Wissen um die heilende Wirkung von Pflanzen und Kräutern ist Jahrtausende alt. Schon die antiken Griechen hatten auf dem Gebiet der Phytotherapie umfangreiche Kenntnisse. Der Arzt Dioskurides beschrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. in seinem medizinischen Standardwerk „De materia medica“ über 800 Pflanzen und ihre Anwendung. Die antike Kultur schätze deren Wert so hoch ein, dass sie fast jedes Kraut einem ihrer Götter widmete. Der Alant wurde der schönen Helena geweiht. Dem Achilles war die Schafgarbe zugeordnet, denn mit ihrer Hilfe hatte er seine Verletzung an der Ferse geheilt. Der Rosmarinbusch ist das mythische Geschenk der Liebesgöttin Aphrodite an die Menschen.

 

Adonisröschen

Von Göttinnen geliebt, von Schafen gerettet

Ein einzigartiger Blütenzauber entfaltet sich am Rammersberg bei Karlstadt im zeitigen Frühjahr: Leuchtend gelbe Blütenbüschel überziehen die trockenen Hänge oberhalb des Maintales. Ein berauschender Anblick, der das Glücksgefühl „endlich Frühling“ auslöst. Mit den reizvollen Blüten macht das Frühlingsadonisröschen auf sich aufmerksam, doch leider nur noch an wenigen Plätzen. Die Art ist europaweit stark gefährdet und in Deutschland besonders geschützt. Die Karlstädter Magerwiesen bilden eines der größten unterfränkischen Vorkommen.

VeilchenBotschafterin der Liebe

„Aber silbern/
An reinen Tagen/
Ist das Licht. Als Zeichen der Liebe/
Veilchenblau die Erde.“

Die erhebende Wirkung der Natur Griechenlands hat der Dichter Friedrich Hölderlin in diesen Verszeilen zeitlos schön eingefangen.

 

 

FrühlingsfingerkrautDie grüne Hand mit den magischen Kräften

Sonnenverwöhnte Magerrasen oberhalb von Winterhausen (Lkr. Würzburg) zeigen im Frühling ein apartes Muster. Gelbgrün marmoriert, wirken sie wie ein Teppich, über den der Spaziergänger gerne schreitet. Hier hat das Frühlingsfingerkraut seine blühenden Triebe ausgelegt. Ein Rosengewächs mit fünf goldgelben Kronblättern und ungewöhnlich gebildeten Grundblättern. Sie sind handförmig, meist fünfteilig gefiedert. Ihre Gestalt inspirierte zur Namensgebung der Familie Fingerkräuter.

 

ZypressenwolfsmilchAparte Schönheit mit teuflischer Wirkung
Wer mit ihr schon mal in Berührung kam, weiß, mit dieser Pflanze ist nicht zu spaßen. Sie verursacht starke Hautreizungen bis hin zur Blasenbildung und hat ihrer Gattung den Namen verschafft: die Wolfsmilch. Der Milchsaft ist beißend wie das scharfe Gebiss eines Wolfes und hat einen ebensolchen Geschmack. Diesen sollte man aber unter keinen Umständen testen, denn der Saft ist stark giftig und kann in entsprechenden Dosen tödlich sein.